Misstrauen der 2. Säule

Also angeben muss man alle Gelder bei der Anmeldung bei der neuen Kasse, auch solche die man nicht transferieren will, sonst macht man sich strafbar. Anscheinend haken aber die wenigsten nach und verlangen, dass auch das zweite Konto transferiert wird.

Hier ein Podcast dazu: Podcast: Pensionskassen: Das müssen Versicherte wissen | HZ

Also strafbar ist meines erachtens erst dann etwas wenn es im Strafgesetzbuch unter Strafe gestellt wird. Nur weil man ein Gesetz nicht befolgt ist das noch lange nicht strafbar, wenn dann hat es höchstens zivilrechtliche Folgen, sprich es können Leistungen gekürzt werden etc.

In diesem Zusammenhang mit nicht angeben bzw. nicht überweisen von PK Geldern muss man aufpassen, dass man sich keinerlei steuerliche Vorteile verschafft z.B. mit PK Einkäufen die steuerlich abziehbar sind und die Einkäufe aber nicht möglich gewesen wären, wenn du alle Gelder eingezahlt hättest. Das muss man unbedingt vermeiden, denn das wäre tatsächlich strafbar. Daher wenn man nur ein Teil überweist, dann am besten ganz auf PK Einkäufe und der Gleichen verzichten.

Aber ich bin kein Jurist daher ist dieser Beitrag lediglich zu Unterhaltungs- und Werbezwecken gedacht und gilt nicht als Beratung oder ähnliches. :slight_smile:

In dem Artikel der Handelszeitung zu diesem Schlupfloch (finde den Link grade nicht) stand explizit, dass man sich strafbar machen würde aufgrund Urkundenfälschung, wenn man nicht angibt, dass man noch weitere Freizügigkeitskonten hat.

Den Artikel würde mich interessieren falls du ihn doch mal noch findest. Urkundenfälschung kann ich mir ja fast nicht vorstellen. Da müsste ja jemand eine nicht existierende Urkunde fälschen, eine existierende Urkunde abändern oder z.B. eine Unterschrift fälschen, siehe z.B. Urkundenfälschung - Das Schweizer Recht erklärt | Beobachter Mal ganz abgsehen davon, dass auch sonst mehrere Voraussetzungen nicht gegeben sind.

Zum Beispiel „die Absicht, jemanden am Vermögen oder an anderen Rechten zu schädigen oder sich einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen“. Es werden in dem Falle ja keine Vermögen oder sonstigen Vorteile erzielt und es gibt keine Geschädigten (die PK hat keine Nachteile und der Staat hat keine Nachteile solange du keine Steuerersparnisse durch zusätzliche Einzahlungen erzielst). Geschädigte sind Personen „die durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar verletzt worden sind“. Was in dem Falle ja nicht der Fall ist.

Weiterhin müsste das Dokument ja auch als Urkunde gelten, wenn es keine Urkunde ist, ist es auch keine Urkundenfläschung. Urkunden sind „Schriften, die bestimmt und geeignet sind, oder Zeichen, die bestimmt sind, eine Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu beweisen.“, also zum Beispiel Ausweise, Diplome, Zertifikate, Arztzeugnisse. Es sind also Schriften mit Beweiseignung die zu diesem Zweck erstellt wurden oder werden, was bei einem x-beliebigem Formular welches man auch noch selber ausfüllt wohl ebenfalls nicht gegeben ist.

Und dem noch nicht genug, es kommt noch ein weiterer Aspekt dazu. Es müsste eine Falschbeurkundung vorliegen im Sinne einer qualifizierte schriftliche Lüge, die erfordert dass eine „rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet“ wird. Es müsste sich also um eine Sache mit hohem Unwert handeln, sprich es müsste sich um eine grobe Lüge mit grobem Ausmass handeln. Ansonsten ist es einfach eine „einfache schriftlichen Lüge“ und diese ist nicht strafbar.

Es gibt hier also aus meiner Bescheidenen Laiensicht weder eine Absicht zur Schädigung, noch einen Geschädigten, noch eine Urkunde, noch eine Fälschung, noch eine Falschbeurkundung. Mir wären auch sonst keine Straftatbestände bekannt die hier erfüllt wären wie z.B. Betrug, Erschleichen einer Leistung, etc. aber wenn hier ein Anwalt, Jurist, RWI Professor oder sonst wer der sich damit auskennt mitliest, bitte gerne aufkären :wink: Interessantes Thema.

Btw. es gibt Online Beispiele z.B. CV mit unwahren Angaben eingereicht um Job zu ergattern → Resultat: keine Urkundenfälschung (und das obwohl hier, Absicht, ggf. Schädigung, Geschädigter, Urkunde vorhanden war → CV kann als Urkunde angesehen werden da „nach Gesetz oder Verkehrsübung als Beweismittel geeignet um Karriere zu dokumentieren“). Es fehlte aber die Falschbeurkundung da keine rechtliche erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet wurde, somit ist es ledigliche eine einfache schriftliche Lüge und die ist nicht strafbar.

Anderes Beispiel welches ich vorher kurz gefunden habe. Ausländer mit Einreisesperre hat sich beim Migrationsamt mit falschen Angaben angemeldet um die Sperre zu umgehen → keine Urkundenfälschung.

Siehe z.B. auch Wann ist lügen strafbar? | Advokatur & Rechtsberatung TRIAS AG

Und wir reden von einem harmlosen PK Anmeldeformular?

Wie immer Beitrag rein zu Unterhaltungszwecken, keine Rechtsberatung/Finanzberatung/Handlungsanweisung oder dergleichen.

[quote=„PascalParvex, post:30, topic:3246“]
Ich weiss schon, was du meinst, aber ein System ohne Umverteilung will niemand.
[/quote]

Also ich würde das sehr begrüssen.

Aha. Ich bin IV-Rentner, da ich meinen Lebensunterhalt wegen einer psychischen Störung nicht selber bestreiten kann. Da du gegen jedwelche Umverteilung bist, müsste ich also deiner Meinung nach als Kapitalismusschädling sofort vergast werden, um keinen weiteren Schaden anzurichten. Das ist also ernsthaft deine Meinung?

[quote=„PascalParvex, post:30, topic:3246“]
Oder hast du die Strasse zu deinem Arbeitsort auch selber bezahlt?
[/quote]

Ja mit meinen Steuern. Ich wäre natürlich auch für andere Finanzierungsformen offen. Ich habe ja nichts dagegen wenn Leute eine Leistung beziehen die sie bezahlt haben sondern wenn Leuten eine Leistung beziehen die sie nicht selbst bezahlt haben.

Siehe oben. Ich glaube nicht, dass du soviel Steuern bezahlt hast, dass du sämtliche Kosten im gschätzt dreistelligen Millionenbereich für die Strassen, welche du in deinem Leben schon benutzt hast, abdeckst. Oder bist du Multimiliardär? Denk auch dran, dass Jeff Bezos, einer der allerreichsten der Welt, für ein bedingungloses Grundeinkommen ist.

Du bist entweder ein Troll oder ein selten extremer Menschenfeind.

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Ich kenne deinen Einzelfall bzw. deine persönlichem Umstände nicht und kann daher auch nicht über deinen Fall sprechen.

Nein natürlich nicht und da finde ich auch die Terminologie etwas schwierig. Und von sowas hat auch niemand gesprochen. Es geht darum, das alle Menschen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten sollen und müssen. Nicht mehr und nicht weniger. Sprich, keine Sozialleistungen, keine Ergänzungsleistungen, aber auch keine Kinderzulagen etc. Alle staatlichen Leistungen müssen für jedermann gleichermassen zur Verfügung stehen, nicht die einen erhalten etwas und die anderen zahlen dafür. Das ist im Prinzip schon alles. Gerade die Cüpli-Sozialisten fordern doch die ganze Zeit Gleichstellung und Gleichheit für alle, DAS wäre tatsächliche Gleichberechtigung für alle :slight_smile: Da sieht man mal wie ernst es denen wirklich ist mit Gleichberechtigung.

Eine IV darf es gerne geben wenn sie selbsttragend und privat organisiert und finanziert ist. D.h. jeder darf gerne bei einer Versicherung eine Versicherung gegen Invalidität und Tod abschliessen. Wer das macht, erhält im Ernstfall eine Leistung, die anderen eben nicht. Wie bei jeder anderen Versicherung auch.

Die IV in der heutigen Form begrüsse ich nicht, da sie unfair finanziert ist, staatlich organisiert und kontrolliert ist, und Leistungen viel zu grosszügig im Gieskannenprinzip verteilt. Klar, wenn jemand keine Arme und keine Beine mehr hat und nicht sprechen kann, dann sei ihm die IV Rente ja gegönnt, aber die allermeisten könnten wohl ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten wenn sie dazu gezwungen wären und es die IV nicht gäbe.

Kenne selbst einen Fall von jemandem der vom Krieg geflüchtet ist und aus psychischen Gründen nicht arbeiten kann und eine IV Vollrente bezieht. Ich weiss aber auch dass die selbe Person regelmässig bei Kollegen auf der Baustelle arbeiten geht und sich so einen Nebenverdienst erarbeitet (ob er das heute noch macht weiss ich nicht aber damals). Und wenn er das kann dann könnte er auch regulär (nicht schwarz) auf der Baustelle arbeiten.

Und von solchen Fällen hört man leider immer und immer wieder und ich bin davon überzeugt, ein grosser Teil von denen die eine IV Rente beziehen, könnten arbeiten wenn sie müssten weil sie sonst kein Geld hätten. Auch wenn es nur Gestelle auffüllen in der Migros ist, Suppen ausgeben bei Pro Juventute, Strassen wischen, oder sonst was. In anderen Ländern müssten sie das auch und könnten es auch, nur in der Schweiz hat man das Gefühl man müsse immer allen helfen und alles vergolden, und das auf Kosten aller anderen.

Ich für meinen Teil würde lieber in der Migros Gestelle auffüllen, und selbst wenn es auf allen Vieren wäre, als auf der Strasse den Leuten in die Augen zu schauen und zu wissen das all die Leute die ich da treffe jetzt arbeiten gehen damit sie mir mein Leben finanzieren können. Das hat was mit Verantwortung übernehmen und Anstand zu tun. Glaubst du jeder geht gerne arbeiten? Sicherlich nicht, viele müssen jeden Morgen kämpfen und nehmen lieber Depressionen in Kauf aufgrund ihrer bescheuerten und toxischen Arbeitsstelle, damit sie ihren Lebensunterhalt verdienen können, anstatt anderen zur Last zu fallen. Aber wir leben leider zunehmend in einer Entitlement-Gesellschaft wo jeder meint er hätte ein Recht auf irgendwas vom anderen, aber selbst will man möglichst nur noch chillen.

Ich habe kurz nachgeschaut, die Ausgaben für motorisierten Verkehr (d.h. inkl. Strassen) waren 93 Milliarden Franken. Das macht dann an die 11’625 CHF pro Person in der Schweiz. Das ist eine hohe Zahl und da könnte man sicherlich etwas einsparen wenn man gewisse Ämter einfach streichen würde die unnötig sind und man muss auch nicht die ganze Zeit immer und überall bauen. Von daher würde sich die Zahl sicher noch um einiges kürzen lassen wenn man will und nicht soviele Beamten davon profitieren würden.

Also ich würde sofort zustimmen wenn es morgen eine Abstimmung gäbe, dass die Autobahnvignette auf alle Strassen ausgeweitet würde und sie statt 40 CHF dann vielleicht 3000 CHF für Privatfahrzeuge, 10’000 CHF für Geschäftsfahrzeuge und vielleicht 50’000 CHF für Schwerverkehr kosten würde wie Lastwagen etc. die massiv die Strassen belasten. Und man dann im Gegenzug dafür keine Steuern mehr bezahlen müsste. Man könnte meinetwegen auch eine System machen das man pro Kilometer etwas bezahlt was noch fairer wäre als der Pauschalpreis.

Du siehst also, es gäbe da schon Wege die funktionieren würden und fairer wären, auch für den Strassenverkehr aber auch für vieles anderes auch. Jeder der heute ein Auto hat könnte auch 3000 CHF im Jahr für eine Vignette zahlen. Man muss nicht Multimilliardär sein um eine Verursachergerechter Strassennutzung finanzieren zu können. Die meisten würden ja Netto sogar sparen wenn sie dafür keine oder nur noch minimale Steuern zahlen müssten

Als Multimilliardär kann man sich solche linke Utopien auch leisten da es sowieso nicht drauf an kommt ob man jetzt ein paar hundert tausend mehr oder weniger zahlt. Bei den allermeisten Menschen ist es jedoch sehr wohl relevant wieviel sie Steuern bezahlen müssen. Aber das Problem haben wir ja auch in der Schweiz mit dem Cüpli-Sozialismus.

Allerdings wenn es denn ein UBI gäbe in den USA, und keiner von den unterbezahlten Lagerarbeitern von Jeff mehr für ihn arbeiten würde da es sich mit dem UBI nicht mehr lohnt einen Billiglohnjob auszuführen, was er dann zu einem UBI sagen würde :wink:

Ich verstehe dass du als Betroffener zu diesem Thema eine andere Meinung hast und ich finde es auch interessant andere Perspektiven dazu zu hören. Es hat dich hier aber niemand persönlich angegriffen und da wäre es schön wenn du das auch nicht tun würdest und stattdessen auf der sachlichen Ebene argumentieren könntest.

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Immer putzig wenn ein Strohmann aufgemacht wird, um es dann selbst zu verbrennen.

Immer putzig, dass Leute wie Bezos etwas fordern, das nie umgesetzt wird und sie selber nicht tangieren würde.
Es gibt genug Leute, die dann unreflektiert die Gratiswerbung für den imagesüchtigen Bezos schalten.

Es ist richtig so, dass wir Sozialsysteme haben, die entweder erworben werden oder ab Geburt zur Verfügung stehen.
Das Problem mit Sozialsystemen ist aber oft die Tendenz/Anfälligkeit für Missbrauch, Zweckverfremdung, Ineffizienz und eine gewisse Entmündigung des Bürgers.
Es braucht eine gute Balance zwischen Freiheit, Risiko und Sozialabsicherung. Und die Existenz eines Sozialsystems muss kritisierbar bleiben. Sozialsysteme sind Zwangssysteme und unterliegen daher einer ständigen kritischen Beurteilung.
Kritik an Sozialsystemen hat also rein garnichts mit Menschenverachtung zu tun. Das ist nur billige Polemik.

Um mal ein Beispiel zu nehmen die deutsche GRV.
Sie bietet zur Zeit einen Umwandlungssatz von 5,6%. Das konnte ich berechnen, weil sie für bestimmte Situationen einen Einkauf ermöglicht.
Jetzt habe ich einen Mann simuliert, der seit 1982 42 Jahre lange zum Mediangehalt geschuftet hat und zu den Jahren gültigen gesetzlichen Beiträge (aktuell 18,6%) Gold gekauft hätte. Ich habe Gold genommen, weil es nicht verzinst ist, aber immerhin inflationssicher ist. Das Ergebnis war, dass er nach 42 Jahren 440 Unzen Gold aufgestapelt hätte. Bei dem 5,6%-Satz hätte er ca. 2 Unzen/Monat ausgeben können (4300€), die GRV gibt für die 42 Rentenpunkte aber genau 1260€, also 3 mal weniger.
Und das obwohl:

  • Er nur für sich alleine die Rente aufgebaut hat (die GRV noch den Vorteil hat, dass es mehr Einzahler gibt als Rentner (damals 3:1)
  • weder Oblis, Immos, oder Aktien erworben wurden.
  • Die GRV vom Steuerzahler mit ca. 33% bezuschusst wird.

Ich bin da selber extrem überrascht, dass es so krass schlecht für die GRV ausfiel. Da fragt man sich, wo das ganze Geld verschwindet. Vllt habt ihr noch Ideen?
Ein paar Ansätze:
Die hohe Zahl der Gratisversicherten: Studienjahre werden angerechnet, kürzlich kam die „Mütterrente“ hinzu, etc.
Anders als bei der AHV wird bei der GRV nur die Rente abgedeckt. Deutschland kennt keine gesetzliche BU und Pflegeversicherung ist nochmal separat.

Wollte nur kurz mitteilen, dass ich das Pensionskassenguthaben auf 2 Freizügigkeitsstiftungen aufgeteilt habe.
Bei der Einbringung in die nächste Pensionskasse werde ich mich nur noch an die eine Stiftung erinnern. Das Alter, ihr wisst schon.

Ich für meinen Teil würde lieber in der Migros Gestelle auffüllen, und selbst wenn es auf allen Vieren wäre, als auf der Strasse den Leuten in die Augen zu schauen und zu wissen das all die Leute die ich da treffe jetzt arbeiten gehen damit sie mir mein Leben finanzieren können. Das hat was mit Verantwortung übernehmen und Anstand zu tun. Glaubst du jeder geht gerne arbeiten? Sicherlich nicht, viele müssen jeden Morgen kämpfen und nehmen lieber Depressionen in Kauf aufgrund ihrer bescheuerten und toxischen Arbeitsstelle, damit sie ihren Lebensunterhalt verdienen können, anstatt anderen zur Last zu fallen. Aber wir leben leider zunehmend in einer Entitlement-Gesellschaft wo jeder meint er hätte ein Recht auf irgendwas vom anderen, aber selbst will man möglichst nur noch chillen.

Sorry, das ist Unsinn. Du hast im Leben einfach Glück gehabt, das lässt sich sagen, ohne dass ich deine ganze Story kenne. Du würdest sicher nicht in der Migros Gestelle auffüllen, wo du dann einen Vorgesetzten hast, der dir intellektuell nicht das Wasser reichen kann.
Ich habe sowohl auf dem ersten als auch zweiten Arbeitsmarkt gearbeitet und bin beidesmal krachend gescheitert. 1. Arbeitsmarkt: Der Chef hat im Gespräch gemeint, dass er seit acht Jahren Einsicht in Mitarbeiterbewertungen hat, und er noch nie so eine schlechte Bewertung wie meine gesehen hat. 2. Arbeitsmarkt: Das Rausschmissgespräch dauerte etwa zwanzig Minuten, und der Chef hat nicht EINE positive Sache genannt.

Glaub mir, wenn du nie ein Erfolgserlebnis hast, dann kannst du auch nicht deinen Lebensunterhalt selber verdienen.

Ich finde nicht dass ich wahnsinnig viel Glück gehabt habe. Klar, ich bin in der Schweiz geboren, da ist die Ausgangslage besser als wenn man irgendwo in einem Ghetto geboren wird. Aber unter Menschen mit gleicher Ausgangslage, finde ich nicht das ich wahnsinnig viel Glück gehabt habe, sondern ich habe mir vieles hart erarbeitet (und durchgestanden auch wenn ich lieber etwas anderes gemacht hätte).

Ich arbeite die ganze Zeit mit Leuten zusammen oder habe Chefs von denen ich das Gefühl habe, dass sie mir intellektuel nicht das Wasser reichen können. Aber das ist nun mal wie die Situation ist und wir können sie nicht ändern. Es ist wie es ist und man ist gezwungen auch mit Idioten zusammenzuarbeiten und Chefs zu haben die nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen sind. Aus dieser Sicht würde sich in einer Migros-Filiale für mich jetzt wohl nicht sonderlich viel ändern :wink:

Ich glaube da zu erkennen was der Unterschied ist zwischen unserer Sichtweise. Ich versuche das mal zu erörtern, du kannst es dann ja korrigieren wenn ich falsch liege.

Du denkst, du hättest ein Recht darauf einen Job zu bekommen schliesslich muss man ja seine Rechnungen bezahlen und jeder Mensch hat ein Recht auf Erfolg und Anerkennung, auch in der Arbeitswelt. Der Chef ist einfach ein Depp der mein Talent nicht erkennt somit ist er einfach zu blöd und es ist seine Schuld das ich jetzt wieder einen Job verliere und dann auch noch rummotzt wegen Mitarbeiterbewertungen und sonstigem Unsinn. Recht hat er ja sowieso nicht und überhaupt was ist das für ein arroganter der Typ der nur negativ über mich redet? Mir scheint es würdest du dich in einer Opferrolle sehen wo dir andere Leute nicht das geben wo du denkst das es dir zusteht.

Meine Sicht im gleichen Kontext wäre:

Niemand schuldet mir etwas und ich habe kein Recht auf irgendetwas von jemand anderem. Der Chef der da einen Job vergibt wurde von der Firma mit diesem Job beauftragt und es spielt absolut keine Rolle wie kompetent der ist, ob er dazu fähig ist, ob er meine Talente sieht, was auch immer. Jeder hat die gleiche Ausgangslage auf diesen Job und selbst wenn nicht muss ich halt mehr tun als andere. Was kann ich tun damit ICH diesen Job erhalte und nicht ein anderer? Wir leben in einer Welt wo vieles einfach gegeben und wir die Situation nicht ändern können, es ist quasi ein Schlachtfeld wo man selber sehen muss wie man überlebt. Nur ich bin zuständig für mein eigenes Glück und niemand anders. Wenn ich den Job nicht bekomme oder rausgeschmissen werden, dann ist es einzig und allein meine eigenen Schuld. Entweder war ich zu wenig gut oder habe den Chef nicht von mir überzeugen können (ja er mag ein Idiot sein – dennoch ist es deine Aufgabe ihn von dir zu überzeugen und nicht umgekehrt). Ich allein bin für mein eigenes Versagen verantwortlich wenn ich scheitere und die entscheidende Frage ist, wie ich mich verbessern kann bzw. was ich tun kann damit ich den nächsten Job erhalte und behalten kann.

Das wäre eher mein Ansatz. Wenn etwas nicht funktioniert dann war ich einfach zu wenig gut und ich muss schauen was ich tun kann um besser zu werden. Scheitern ist auch nichts schlimmes, es ist eine Möglichkeit sich weiter zu verbessern. Viele Reiche Menschen sind zuvor hunderte Male gescheitert bevor sie es geschafft haben.

Hier ein Bild.


Source: Understanding the Circles of Influence, Concern, and Control

Viele Leute zahlen 5 bis 6-stellige Beträge um das gelehrt zu bekommen. Dinge im Circle of Concern betreffen dich zwar, du hast aber keinen Einfluss darauf. Diese Dinge sind wie sie sind. Circle of Influence kannst du auch nicht kontrollieren, wenn dann einen gewissen Einfluss nehmen aber that’s it. Circle of Control ist das was du alleine direkt beinflussen kannst.

Mir scheint es als hättest du einen starken Fokus auf den äussersten Kreis. Zum Beispiel, was dein Chef von dir hält, was die Mitarbeiterbewertung sagt, das der Chef nichts gutes über dich sagt. Das ist alles verschwendete Lebensmühe da sich nichts daran ändern egal wieviel Energie du da reinbutterst.

Man sollte seine Energie vorwiegend in den Kern stecken (Circle of Control - das was du kontrollieren kannst) und vielleicht etwas in den Circle of Influence soweit möglich. Das heisst zum Beispiel, das Feedback vom Chef nehmen und sich frage. Hat er bei einigen Punkten recht? Fehlen mir fachliche Skills? Wie kann ich mir diese aneignen? Bin ich im Umgang mit Kollegen zu schwierig? Bringe ich meine Leistung nicht bzw. nicht im selben Umfang wie andere? Was kann ich tun um die Situation zu verbessern? Was kann ich tun damit der Chef mich behalten will auch wenn er ein Depp ist? Der Chef mag mich nicht was kann ich tun damit er mich mag? Manchmal muss man sich halt gegenüber gewissen Dingen neutral verhalten oder so tun als ob damit man mit Chefs auskommt. Fake it till you make it. Kein Chef behaltet auf Dauer Leute die ihm wie ein Splitter im Fuss sind und bei jedem Schritt Schmerzen bereiten. Was kann ich tun damit ich für den Chef nützlich bin? Was kann ich tun damit ich für die Firma nützlich bin? Was kann ich tun damit ich für die Kollegen nützlich bin. Wenn du für alle nützlich bist, dann hast du alle auf deiner Seite und es kann fast nichts passieren. Wenn dich alle loswerden wollen, dann frag dich warum und ändere das. You get the idea. Das tun wo du selbst beinflussen und kontrollieren kannst damit du das nächste Mal den Job bekommst bzw. behalten kannst.

Sprich, aus der Opferrolle rauskommen und in eine Kriegerrolle übergehen :slight_smile: Jeder ist seines Glückes selbst Schmid und nur du hast es in der Hand, niemand anders wartet auf dich, hilft dir, oder sonst was. Wenn man diesen Switch machen kann denke ich kommt der Rest von selbst.

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Sprich, aus der Opferrolle rauskommen und in eine Kriegerrolle übergehen :slight_smile: Jeder ist seines Glückes selbst Schmid und nur du hast es in der Hand, niemand anders wartet auf dich, hilft dir, oder sonst was. Wenn man diesen Switch machen kann denke ich kommt der Rest von selbst.

Du verstehst da was falsch. Ich bin zu 100% arbeitsunfähig. Wegen meinem schlechten Hausarzt, der mich jahrzehntelang im Unklaren liess, musste ich mich auf dem Arbeitsmarkt demütigen lassen. Was sicher nicht hilft, ist, dass ich häufig zu offen bin. Als ich vor etwa zehn Jahren ein iPhone von meinem Vater übernehmen konnte, dachte ich, jetzt muss ich nur noch Tinder installieren, dann komme ich auch mal zum Stich. In zwei Jahren, bevor ich die App frustriert wieder gelöscht habe, hatte ich aber gerade mal drei Matches, wovon zwei noch nicht mal zurückgeschrieben haben. Meinem Profil war halt zu entnehmen, dass ich glatzköpfig, übergewichtig und IV-Rentner bin.

Und mit Managersprech brauchst du mir auch nicht kommen, ich habe bereits von 2005 bis 2015 zehn Jahre Internetmarketing betrieben, ohne jemals auf einen grünen Zweig zu kommen. Der grösste Teil der Menschheit hat was drauf, doch sind trotzdem nicht drei Viertel der Weltbevölkerung Dollarmillionär oder aufwärts, seltsam, nicht? Im wesentlichen läuft es [bei dir] auf den Survivorship Bias raus.

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Kann alles sein, aber eben auch hier in diesem Post deine Sichtweise:

  • Du siehst alles falsch
  • Der Hausarzt ist schlecht
  • Die bösen Menschen im Arbeitsmarkt demütigen mich
  • Die doofen Frauen auf Tinder matchen mich nicht und schreiben mir nichtmal zurück
  • Gott ist schuld das ich scheisse aussehe
  • Die dummen Kunden wollten meine Dienstleistungen nicht

Das alles ist Circle of Concern, vielleicht etwas Influence. Du kannst es kaum oder gar nicht beeinflussen. Dann bringt es auch nichts über die Welt verärgert zu sein und sich über Dinge aufzuregen die man nicht ändern kann. Stattdessen bietet sich an das versuchen zu ändern was man ändern und beeinflussen kann, Circle of Control / Influence.

Du kannst die Menschen nicht ändern oder sie zwingen das du zu tun was du willst. Das ist ausserhalb deiner Kontrolle. Aber du kannst sehr wohl beeinflussen und kontrollieren wie du darauf reagierst und was du damit machst.

Statt dich mit den Dingen oben zu beschäftigen könntest du dich fragen:

  • An was hat es gelegen das ich keinen Job fand oder die mich rausgeschmissen haben?
  • Fehlen mir fachliche Fertigkeiten?
  • Fehlen mir zwischenmenschliche Fähigkeiten?
  • Wie kann ich mir diese fehlenden Fähigkeiten aneignen? Gibt es Kurse/Coaching/Beratung?
  • Welche Jobs kann ich realistischerweise ausführen und innert nützlicher Frist ergattern?
  • Was ist mein Action Plan? Wie komme ich zu diesen Ziel? Was sind die Milestones?
  • Was kann ich tun damit ich diesen Job ergattere?
  • Was kann ich tun damit ich diesen Job behalten kann?
  • Wie muss ich mich auf der Arbeit verhalten das ich der Firma, meinem Chef, meinen Kollegen einen Nutzen erbringe?
  • Was kann ich zu der Situation beitragen?
  • Wo war ich zu wenig gut? Was muss ich verbessern?
  • Was kann ich tun damit ich auf Tinder mehr Matches erhalte und Dates?
  • Kann ich mein Aussehen verbessern? Sport? Fitness? Laufen? Outfit? Style? (Und selbst dann das Aussehen ist kaum der Grund, Frauen wollen Sicherheit, Geborgenheit, nicht jemand der sich als Opfer sieht und nicht für sich selber sorgen kann, das ist viel wichtiger als aussehen. Dennoch kann man etwas fürs Aussehen tun).
  • Was kann ich tun damit ich charismatischer Wirke und einen besseren Eindruck auf andere Menschen hinterlasse?

Du siehst. Völlig andere Sichtweise. Die Variante oben sieht sich als verbittertes Opfer der Gesellschaft und alle anderen sind Schuld. Die untere Variante fokussiert auf den Circle of Control und ist lösungsorientiert.

Ich will dir ja nur Tipps und eine Lösung anbieten. Auch hier, die Entscheidung was du damit machst liegt bei dir. Du kannst denken was will der Idiot von mir der soll sich seine Tipps sonst wohin stecken und hat sowieso keine Ahnung, oder du kannst schauen ob du daraus etwas mitnehmen kannst. Ich hab am Ende nicht mehr oder weniger Legos, egal was du damit machst.

Es können ja nicht alle reich werden. Und je mehr Menschen das gleiche wollen desto schwieriger wird es auch etwas zu erreichen. Aber vom IV-Rentner zum Millionär ist es ja auch ein weites Spektrum. Etwas dazwischen würde ja auch reichen, nicht? Zumindest für den Anfang.

Niemand hat gesagt es sei einfach, aber s ist für die allermeisten nicht einfach. In der reichen Schweiz zu leben wo alle hinwollen und gerade regelrecht der Arbeitsmarkt (und auch der Wohnungsmarkt und generell alles) mit billigeren Arbeitskräften aus der EU geflutet wird macht die Situation nicht einfacher. Früher konnte sich praktisch jeder in Grossfirmen zum IT Mensch umschulen lassen auf kosten der Firma. Man konnte locker die Stelle wechseln wenn es einem nicht mehr passte und dabei auch noch zwischen 4 Jobs aussuchen. Heute muss man froh sein wenn in der Schweiz überhaupt noch was ausgeschrieben wird und nicht in Polen, Indien, oder sonst wo. Oder wenn man überhaupt noch auf ein Interview eingeladen wird und nicht gleich gesagt wird auf der Website wir suchen nur Leute aus dem EU/EFTA Raum (für 2000 CHF günstiger im Monat als der Schweizer).

Es ist für niemanden einfach. Die Frage ist, was man aus der Situation macht. Man kann entweder jammern oder schauen das man selber halt noch besser wird als die anderen. Was kann ich selber tun damit ich den teureren Preis wert bin und die Firma doch lieber mich einstellt?

Wenn du Inspiration benötigst schau dir mal David Goggins auf Youtube an. :wink: Viel mehr kann ich zu dem Thema leider auch nicht beitragen.

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Danke übrigens, dass du mir versuchst zu helfen, ich weiss das zu schätzen. Du bist doch kein Troll, da habe ich dich falsch eingeschätzt.
Ich muss auch noch sagen, dass ich nicht verbittert bin, und ich es schon lange gewöhnt bin, den Fehler nicht bei anderen zu suchen.
Allerdings bist du nicht auf den interessantesten Teil meiner obigen Antwort eingegangen: Wie stehst du zum „Survivorship Bias“? Also auf dich und andere im klassischen Sinn erfolgreiche Menschen bezogen, nicht, dass nicht alle erfolgreich sein können, da bist du ja drauf eingegangen.

Hallo. Ja ich finde wie du das die Leute hier das Thema etwas gar vereinfacht ansehen.
Selbstverständlich könnte man das angesparte Kapital renditestärker am Weltmarkt anlegen.
ABER was immer vergessen geht ist, dass die 2. Säule zusätzlich Risiken (Invalidität und Todesfall) absichert welche für Familien oder Eheleute sehr essenziell sind. Aber das liegt wohl auch daran, dass die Community hier eher männlich, jung und ledig zu sein scheint :wink:
Meine PK gewährt z.B in meinem Todesfall eine einmalige Zahlung einer 7-stelligen Summe plus lebenslange Witwenrente. Wenn Ihr eure Liebsten individuell über eine Versicherung gleichwertig absicheren wollen würdet, wäre dies unglaublich teuer.

Hallo. Ja ich finde das die Leute hier drin das Thema etwas gar vereinfacht ansehen.
Selbstverständlich könnte man das angesparte Kapital renditestärker am Weltmarkt anlegen.
ABER was immer vergessen geht ist, dass die 2. Säule zusätzlich Risiken (Invalidität und Todesfall) absichert welche für Familien oder Eheleute sehr essenziell sind. Aber das liegt wohl auch daran, dass die Community hier eher männlich, jung und ledig zu sein scheint :wink:
Meine PK gewährt z.B in meinem Todesfall eine einmalige Zahlung einer 7-stelligen Summe plus lebenslange Witwenrente. Wenn Ihr eure Liebsten individuell über eine Versicherung gleichwertig absicheren wollen würdet, wäre dies unglaublich teuer.

Setzt natürlich voraus, dass Sie sterben. Eine makabere Wette.
Selbstmord gilt übrigens nicht.
Es gibt auch Singles, die nicht an eine Lebensversicherung interessiert sind, mit der 2. Säule aber zwangsversichert sind.
Die Zwangsversicherung sichert in erster Linie den Staat ab. Denn die etwaigen mittellosen Hinterbliebenen müssten sonst vom Staat alimentiert werden.

Ich weiss nicht genau was du mit der Frage meinst. Ich bin nicht der Meinung das ich hier einem Survivorship Bias unterliege. Das würde ja bedeuten das ich nur die erfolgreichen Fälle sehen würde und die anderen ignoriere aber das ist ja nicht so. Vielleicht musst du deine Fragen konkretisieren dann kann ich gerne näher darauf eingehen.

Nein, es wird ja nicht vergessen. Diese Versicherung ist einfach eher eine Last als ein Vorteil. Denn wenn man auf eine solche Versicherung angewiesen ist, hat man grundsätzlich bereits schon etwas falsch gemacht.

In jeder Beziehung oder Ehe sollten beide Partner in der Lage sein sich und ggf. die Familie durchzubringen. Wenn das nicht der Fall ist dann hat man bereits schon Fehler gemacht und geht das Risiko ein auf Kosten anderer Leben zu müssen (allein schon die Einstellung die man haben muss um solche Risiken einzugehen ist ja schon extrem egoistisch). Daher ist es wichtig das beide Partner eine solide Ausbildung machen, und zumindest Teilzeit arbeiten so dass wenn etwas passiert, sie an der Berufswelt angeschlossen bleiben und das Pensum erhöhen können bei Bedarf und nicht auf Gelder anderer angewiesen ist.

Ich bin kein Fan dieser Zwangsversicherung da sie auf Kosten derjenigen geht die korrekt für ihr eigenes Durchkommen sorgen. Diese Versicherung, Todesfallkapital und Witwenrente ist ja nicht gratis. Das sollte eigentlich komplett aus der 2. Säule entfernt nehmen. Wer das will soll das Privat und selber abschliessen und dafür zahlen.

Was ja eigentlich ein Skandal ist. Was kann der durchschnittliche Steuerzahler dafür das gewisse Päärchen nicht für sich selbst sorgen, teils Jahre zu Hause bleiben und wenn dann etwas passiert sollen wieder die Leute für einen schauen die keinen Mist gebaut haben.

Falsche Fehlerkultur. Wer Fehler macht und über die Verhältnisse hinaus lebt wird aktiv belohnt. Wer alles richtig macht, fleissig ist, für sich selber schaut und auf gewisse Sachen verzichtet damit man selbst und für die Familie genug Geld hat im Notfall, der wird bestraft in dem er dann für die andere erste Gruppe zahlen darf. Das ist im Prinzip eine Frechheit sowas.

Ja das Urproblem ist ja, dass irgendwer befunden hat, dass der Staat gefälligst für Menschen in Not einzuspringen hat. Ganz früher war das nicht so. Damals mussten solche Sozialfälle vom nahen familiären Umfeld mitversorgt werden. Und jetzt ratet mal, was passierte, wenn einer sich in die Hängematte gelegt hatte, um sich von Schwester, Bruder etc durchfüttern zu lassen? Richtig, sie wurden verschimpft als Schmarotzer, Taugenichtse etc. Also ging das nicht lange gut. Wegen Schicksalschläge war das natürlich anders, da war die Sippe solidarisch.

Durch die Verpflichtung des Staates hat sich das jedoch grundlegend geändert. Seit dem können wildfremde Menschen Leistungen vom Staat (berechtigt oder nicht) verlangen. Und da der Staat keine Leistungen selbst erbringen kann, hat er alle seine Bürger zu einer Pflichtversicherung verdonnert, die grösstenteils von der Arbeit (Lohnkostenerhöhung) und teilweise auch über Steuermittel (Produktpreiserhöhung) finanziert wird. Der Sozialmissbrauch ist dadurch potentiell gestiegen, weil jetzt anonym „schmarotzt“ wird, was Vielen weniger ins Gewissen fällt, da er nicht direkt von Bruder Urs schmarotzt, der deswegen böse werden kann.

Sozialsysteme haben immer ein Rechtfertigungsproblem. Kritik am Sozialsysteme kann/darf nicht verboten werden, sondern ist m.E. auch geboten. Das heisst nicht, dass man sie abschaffen sollte.
Im demokratischen Prozess darf beschlossen werden, dass sich der Staat so ein Sozialsystem leistet.

Noch ein paar Takte zu den „schlecht bezahlten“ Jobs.
Ich habe nicht ein Fach studiert, das mir lag, sondern weil ich mir vorher erkundigt habe, ob es viel (ein-)bringt. Es besteht kein Anspruch darauf, nur weil man 42 Stunden ackert, mit dem Job über die Runden zu kommen. Niemand ist zu einem Job gezwungen und kann sich einen besser bezahlten suchen. Wenn ich beispielsweise gerne Musik mache, mit den Auftritten aber zu wenig Geld mache, kann ich nicht vom Staat (also von den Mitmenschen) erwarten, dass er die Differenz aufstockt.
Wenn der Staat jedoch jeden in eine Zwangsversicherung steckt, dann muss er sich für den Eingriff in die Freiheits- und Eigentumsrechte rechtfertigen. Und das geht auch. Allerdings nur in Grenzen und mit Begründung.

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