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Steuersituation

Hallo Leute,

ich bin in einer etwas besonderen steuerlichen Situation und hoffe ihr könnt hier ein wenig „Licht ins Dunkel“ bringen.
Ich bin Deutscher Staatsbürger, wohne und arbeite derzeit aber in der Schweiz (GR)
Ich habe aber ein Depot bei einem deutschen Onlinebroker (DKB).
Nun bin ich mir momentan etwas unsicher wie das dann steuerlich funktioniert bzw. wo ich wann welche Steuern zu bezahlen habe.
Nehmen wir einmal an ich habe 10.000€ in einen Thesaurierenden MSCI World ETF angelegt. Welcher am Ende des Jahres 11.000€ Wert ist. Wo muss ich dann welche Steuern bezahlen bzw. werden mir die automatisch abgebucht.
Zudem frage ich mich wie sich meine steuerliche Situation ändern würde wenn ich z.b. in 10 Jahren zurück nach Deutschland ziehe.
Soweit ich verstanden habe muss ich ja jetzt in der Schweiz Vermögenssteuer bzw. Verrechnungsstuer bezahlen. In Deutschland wiederrum werden ja die die Kursgewinne bzw. das Einkommen welches ich z.b. bei Verkauf von Aktien hätte versteuert. Müsste ich in diesem Fall jetzt in der Schweiz Vermögenssteuer und Verrechnungssteuer bezahlen und z.b. in 10 Jahren zurück in Deutschland trotzdem Einkommenssteuer wenn ich teile meines Depots verkaufe?

vielen Dank im Voraus für eure Hilfe

Liebe Grüsse

Johannes

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Die Vermögenssteuer kannst du erstmal aussen vor lassen, betrifft dich (noch) nicht.
Ausser du verschweigst uns Vermögenswerte jenseits der 100.000CHF :wink:
Verrechnungssteuer wird fällig auf Zinsen und z.B. Dividenden.
Jedoch nur bei Auszahlungen sprich bei ausschüttenden Produkten.
Hierzu zählen z.B. auch Aktien.
Die 35% könntest du dir am ende mit der Steuererklärung verrechnen lassen, sofern du eine machst (wovon ich nicht ausgehe da wahrscheinlich die B Bewilligung). Hier wäre eine nachfrage beim Steueramt interessant ob du das trotzdem irgendwie verrechnen lassen kannst.
Da der ETF aber Thesaurierend ist, fallen ende Jahr keine steuern an, sofern du ihn nicht saldierst.

Kursgewinne in der Schweiz sind als Privatanleger steuerfrei.
Bsp. du hast 10 Anteile welche du für 100 je Anteil gekauft hast (1000CHF oder €) nach einem Jahr möchtest du gerne den etf verkaufen, nun sind deine Anteile aber 200 wert (also 2000CHF oder €) Sprich der Kurs hat sich verdoppelt.
In Deutschland soviel ich weiss hättest du einen Sparerfreibetrag (800€??) den Rest müsstest du versteuern. (in unserem Beispiel also 200)
Anders in der Schweiz, hier zahlst du auf Kursgewinne keine Steuer, bedeutet du kannst die 1000 vollumfänglich behalten.
Immer vorausgesetzt du hast einen Wohnsitz in der Schweiz und zahlst hier Steuern.

Taktisch wäre es demnach klug wenn du, solltest du irgendwann nach D zurückkehren und der Kurs beschert dir einen hohen Gewinn, dass du deinen etf saldierst solange du noch in der Schweiz wohnst.
Machst du dies später in D wirst du je nach Gewinn kräftig zur Kasse gebeten.

Nicht entscheidend ist wo oder wann du das ganze gekauft hast.
Bedeutet du kannst einen etf für 10.000 in D mit deutschem Wohnsitz kaufen und dann nach deinem Umzug in die Schweiz dort verkaufen.
Auch wenn du in der zeit in Deutschland gewinn gemacht hast aber den erst in der schweiz realisierst so zahlst du trotzdem keine steuern auf den gewinn.
Voraussetzung ist natürlich du meldest den Umzug auch deiner Bank. ( bei dieser wirst du dann als Steuerausländer qualifiziert und bist für den Deutschen Fiskus nicht mehr „interessant“).

Hoffe ich konnte dir das ganze etwas rüberbringen trotz der verwirrenden Aussagen

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Hallo Hammerhai,

vielen Dank erstmal für die ausführliche Antwort.
In der Tat habe ich bei unserem derzeitigen Vermögen vlt etwas tiefgestapelt und die Vermögenssteuer könnte eventuell bald relevant sein.
Wenn ich dich richtig verstanden habe muss ich dann also so lange ich hier in der Schweiz Wohnhaft bin und keine meiner ETF verkaufe keinerlei steuern bezahlen abgesehen von eventuell Vermögenssteuer?
Weisst du ob diese dann ggfs. automatisch vom Statt einkassiert wird?
Ich habe einfach etwas Angst, dass aufgrund der etwas ungewöhnlichen Situation eventuell nicht alle Informationen korrekt bei dem entsprechenden Amt ankommen und ich dann am Ende deswegen „Ärger“ bekomme
Eine Steuererklärung kann man glaube ich schon irgendwie machen auch als Ausländer was ich ja aber dann in meinem Fall nicht brauche so lange ich keine Verkäufe mache richtig?

Genau.
Solange du nichts ausschüttendes hast musst du nichts zahlen.
Verrechnungssteuer wird automatisch abgezogen z.b. bei einer Dividendenzahlung.
Ist dann auch schön bei der Abrechnung ausgeführt, du musst lediglich etwas tun, wenn du was zurück willst.
Mit der Vermögenssteuer kenne ich mich leider wenig aus, da wir meist das Vermögen in der Partnerschaft aufteilen und mit einer Liegenschaft das Vermögen „klein“ gehalten wird.

Steuererklärung kannst du selbstverständlich als Ausländer machen, musst du aber nicht—Thema Quellensteuer. (ab der C Bewilligung ist es Pflicht). Habe mich da vllt etwas falsch ausgedrückt.
Ob das Ausfüllen einer Steuererklärung sinnvoll ist musst du für deine aktuelle Situation selbst rausfinden.

Zusammengefasst hast du das schon richtig geschrieben, dass du vorerst nichts machen musst.

Grundsätzlich würde ich dir empfehlen, auch mit Hinblick auf die Vermögenssteuer, einen Steuerberater aufzusuchen.
Oft gibt es hierbei gute Angebote für die ersten Beratungen.
Insbesondere wenn dein Vermögen anfängt die 100.000CHF zu übersteigen und du verschiedene Finanzprodukte im Portfolio hast.

Einen „Antrag auf Neuveranlagung“ herunterladen und ausfüllen. Vergleichen,womit du besser fährst und gegebenenfalls den Antrag einreichen

Demnach wäre es steuerlich sinnvoll ein Depot in Deutschland zu haben/halten? (Wollte nicht extra nen neuen Thread aufmachen, da meine Frage sehr nahe am Thema ist)

Ich selbst bin gerade aus Deutschland in die Schweiz gezogen und habe ein (noch) leeres Depot in Deutschland bei der ING, wo ich als Steuerausländer gemeldet bin. Wollte eigentlich schon vor ein paar Monaten investieren, aber da mein Umzug in die Schweiz feststand, wollte ich mich nicht in eine unklare Steuersituation begeben.

Die ganze Quellensteuer-Thematik hat mich die letzten Tage echt verwirrt - aber wenn ich den Thread richtig verstehe, ist dies nur für ausschüttende Finanzprodukte relevant?

Szenario:
Ich kann mein Depot in Deutschland mit thesaurierenden ETFs füllen und muss in Deutschland darauf keine Steuern zahlen (lediglich die Wechselkursgebühren für CHF->EUR), spare mir in der Schweiz die 0.15% Stempelsteuer und kann bei einem späteren Verkauf der ETFs die Gewinne steuerfrei kassieren, sofern ich in der Schweiz steuerlich wohnhaft bin? Ich muss natürlich die ETFs als Vermögen in der Schweiz in der Steuererklärung angeben - aber das wars?

Ich hadere die ganze Zeit, ob sich der Aufwand lohnt oder ein alternatives Depot bei z.B. Degiro sinnvoller ist.

Dürfte so richtig sein, bis auf die Tatsache, dass du bei späterer Auflösung die Erträge (also nicht der Kursgewinn) versteuern musst.
Sagen wir mal dein ETF steigt von 10€ pro Anteil auf 20€ so ist dies steuerfrei.
Die wiederangelegten Erträge sind sind bei Auflösung zu beachten.
Nur weil deine Erträge wieder angelegt werden heisst das nicht, dass diese auf wundersame Weise verschwinden.
Wie das aber genau später aussieht kann ich dir nicht sagen…

Vielen Dank für die Antwort Hammerhai!

Das wäre doch aber bei Dividenden von Aktien ebenfalls der Fall, richtig?
Dort wäre auch der Kursgewiss der Aktien als Privatanleger steuerfrei, jedoch die ausgeschüttete Dividende unterliegt der Vermögenssteuer?!

So ist es.
Die Kursgewinne nimmst du bei Auszahlung steuerfrei mit.
Zahlt das Unternehmen eine Dividende so musst du diese mit deinem persönlichen Steuersatz versteuern.
In der Schweiz wird hierbei 35% als Sicherung einbehalten die du dann später bei der Steuer angeben kannst und zurück erhältst.
USA und dergleichen machen dies ähnlich.

Als Bsp. du hast ein Depot in der Schweiz mit ABB Aktien.
Hier werden von jeder Dividende 35% einbehalten. Rückforderung über die Steuer wenn du es angibst und zu deinem persönlichen Steuersatz versteuerst.

Wenn du das Depot in Deutschland hast und eine Dividendenzahlung aus den USA erhältst z.B. Apple so werden 15% Sicherung der USA einbehalten welche du theoretisch dank Abkommen ebenfalls über die Steuer zurück erhältst.

So weit ich weiss und da nagel mich bitte nicht fest, gibt es dies bei Deutscher Aktien im Deutschen Depot nicht, sprich du bekommst die volle Dividende musst diese aber natürlich bei der Steuer angeben.

Zusammengefasst heisst das, alles was an Erträgen wie Zinsen, miete und Pacht, Dividenden reinkommt muss versteuert werden, nicht pauschal wie in D sondern mit deinem perönl. Steuersatz.

Alles hier natürlich ohne Garantie.
Mein Tipp ist, geh doch am besten mal auf die Gemeinde und frag dort konkret beim Steueramt nach.
Die Damen und Herren sind sehr hilfsbereit und können dir verbindlich weiterhelfen.