Investition zum Jahresende (AHV Lücke schliessen/2. Säule/3a Säule/passiv ETF)?

Hallo zusammen

Hintergrund:
Wir sind ein verheiratetes Paar mit 1x Kind. Wir sind vor 10 Jahren mit Anfang 30 in die Schweiz gezogen. Wir wohnen im Kanton Zug. Ich arbeite 100% und meine Frau hat bis vor 2 Jahren auch 100% gearbeitet. Seit der Geburt unseres Kindes (vor 3 Jahren) arbeitet meine Frau nicht (sie plant in ca. 1 Jahr wieder anzufangen). Aufgrund meiner Lohnhöhe gibt es keine AHV Beitragspflicht für meine Frau.
→ Das bedeutet sowohl ich als auch meine Frau haben Lücken in AHV und 2. Säule.

Bisherige Investitionen:

  • mehrheitlich passive ETF (VT, VOO, QQQ, etc.)
  • eine paar selektive Einzelaktien

Zukünftige Planung:
Erwerb einer Wohnung in den nächsten 2-5 Jahren.

Fragestellung: Bzgl. nahendem Jahresende war ich am überlegen wohin wir Liquiditäts-Überschüsse von ca. 15k-20k investieren.

Mögliche Varianten:

  • AHV Lücken kann man 5 Jahre rückwirkend schliessen → das wäre eine Variante um die Lücke bei meiner Frau zu schliessen. Da die AHV bei Ehepaaren auf 3’675 CHF gedeckelt ist und wir beide erst seit Mitte 30 einzahlen wäre das eine Variante. Macht das überhaupt Sinn oder ist das ein schwarzes Loch und bei unseren grossen Lücken spielt es keine Rolle mehr.

  • Einschuss in die 2. Säule bei meiner Frau/mir um Lücken zu schliessen. Macht vermutlich erst ab Anfang/Mitte 50 Sinn wegen dann möglichem höherem Einkommen und damit mehr Vorteilen beim Abzug bei der Steuer. Im Kanton Zug ist der Effekt aufgrund der niedrigen Steuersätze limitiert und es wäre für die Immobilienfinanzierung nur als Verpfändung nutzbar.

  • Einschuss in die 3. Säule mit jeweils 7k für meine Frau und dann Abzug von der Steuer. Mehr Flexibilität bei der Anlageentscheidung als bei der 2. Säule, aber gebunden bis Pensionsalter und nicht als cash bei Immobilienfinanzierung nutzbar (nur via Verpfändung, da ich es wegen der Steuer nicht auszahlen lassen will).

  • Private Investition in passive ETF (z.B. VT/VOO/etc.) und bei dem Immobilienkauf verkaufen und als EK einbringen. D.h. weder AHV Lücke schliessen, noch 2./3. Säule. Kein Steuervorteil, aber volle Flexibilität und cash bei der Immobilienfinanzierung.

Ich würde mich über interessante Feedback freuen.
Danke

Meines Wissens zählt das nicht als Beitragslücke, da deine Frau auf Grund deiner Beiträge von der Beitragspflicht als Nichterwerbstätige ausgenommen ist. Somit wird es auch keine Rentenkürzung geben.

Eure Rente wird natürlich gekürzt auf Grund der fehlenden Beiträge vor Zuzug in die Schweiz (grob geschätzt wohl eine Kürzung um 1/3), aber das lässt sich nicht ändern. Je nach Herkunftsland habt ihr dafür möglicherweise Anrecht auf eine Teilrente von dort, zusätzlich zur AHV-Rente.

Da deine Frau kein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen erzielt, ist bei ihr aktuell keine Einzahlung in die Säule 3a möglich.

Für dich (bzw. in Zukunft auch für deine Frau) ist die Einzahlung in die Säule 3a sinnvoll, sofern die Steuerersparnis genügend hoch ist. Als Abschätzung berechne die Differenz zwischen eurem aktuellen Grenzsteuersatz (Ersparnis bei 3a-Abzug) und dem erwarteten Steuersatz beim Kapitalbezug. Im Kanton Zug lohnt sich das weniger als in den meisten anderen Kantonen, aber je nach Einkommen kann es sich trotzdem lohnen.

Das verstehe ich nicht. Du zahlst eher mehr Steuern beim Kapitalbezug bei der Pensionierung als beim vorzeitigen Bezug für Wohneigentum (auf Grund der Progression). Wieso willst du kein Kapitalbezug der Säule 3a für Wohneigentum?

Da ihr vorhabt eine Wohnung zu kaufen würde ich bei der Wahl des Anbieters schauen, dass beim Vorbezug keine zu hohen Gebühren anfallen werden. Und wenn ihr sicher seid, dass ihr das Geld für einen Vorbezug von Wohneigentum in 2-5 Jahren benutzen werdet, auf keinen Fall in Aktien investieren (oder vielleicht ein kleiner Aktienanteil, falls ihr das möchtet).

Da deine Frau aktuell nicht als Erwerbstätige einer Pensionskasse angeschlossen ist, ist aktuell eine Einzahlung bei ihr nicht möglich.

Einen Einkauf in deine Pensionskasse würde ich erst in Erwägung ziehen, falls du bereits den maximalen Beitrag in die Säule 3a einbezahlt hast, da die Säule 3a in allen Aspekten flexibler ist. Einzige Ausnahme ist, falls du wirklich die typischerweise tiefere, aber sicherere Rendite der 2. Säule willst. Tendenziell würde ich auch von einem PK-Einkauf abraten, wenn es noch eine Weile dauert bis zur Pension, ausser für Vorbezug für Wohneigentum.

Meinst du wegen der Sperrfrist von 3 Jahren? Falls ihr die Wohnung vorher kauft, macht ein PK-Einkauf wohl keinen Sinn (ausser ihr habt noch mehr als genügend Eigenkapital und möchtet den PK-Einkauf später zur Amortisation der Hypothek nutzen). Aber wenn ihr die Wohnung später kauft, so sollte ein PK-Einkauf sinnvoll und ein Bezug möglich sein.

Grundsätzlich ist eine Investition in passive ETFs sehr sinnvoll, aber nur mit langfristigem Anlagehorizont. Den Betrag, den ihr als Eigenkapital für den Wohnungskauf in 2-5 Jahren benötigt, solltet ihr nicht in Aktien investieren (oder höchstens zu einem kleine Teil, falls ihr das Risiko eingehen könnt/wollt).

Eine Investition in kurzfristige Obligationenfonds oder Kassenobligationen könnte Sinn machen.

Falls ihr sowieso mehr als genügend Eigenkapital für den Wohnungskauf haben solltet, so könntet ihr natürlich den nicht zwingend benötigten Teil in Aktien investieren und beim Wohnungskauf je nach Aktienmarktsituation und Hypothekarzinssituation entscheiden, ob ihr die Aktien verkaufen möchtet.

Muran hat schon einiges wichtiges aufgelistet. Nur noch ein Hinweis bezüglich AHV-Rente. Die AHV-Rente bietet im Gegensatz zur BVG-Rente einen Inflationsausgleich und wird in der Regel alle 2-3 Jahre angepasst. Die Anpassung erfolgt auf Basis eines Mischindex (Durchschnitt von Lohn- und Preisindex). Die Inflation wird von den meisten Menschen stark unterschätzt, hat aber einen grossen Einfluss auf die Kaufkraft. Im historischen Vergleich hatte die Schweiz im Durchschnitt, jährlich eine Inflation von 1.5-2%.
Wenn du mit 65 pensioniert wirst und noch 20 Jahre zu Leben hast und mit 1.5% Inflation rechnest, so fressen diese 1.5% über die 20 Jahre fast 35% der Rente weg! Es ist also richtig und wichtig, allfällige Löcher in der AHV zu stopfen, falls dies getan werden kann.

Ich würde hier gerne einen anderen Standpunkt einbringen :slight_smile: Deine Argumente bzgl. Inflationsausgleich sind zwar richtig, aber die AHV ist ein unsägliches Schneeballsystem. Die Finanzierung ist eine Katastrophe und niemand weiss ob man jemals wieder etwas von dem einbezahlten Geld sehen wird. Zudem ist das System auch noch ziemlich asozial wenn man viel verdient zahlt man viel ein und kriegt dann am Ende doch nicht viel mehr als die anderen. Da würd ich nicht noch freiwillig noch mehr darin einzahlen und lieber gewisse Lücken in Kauf nehmen.

Zudem ist die AHV wohl für viele in diesem Forum sowieso nur ein kleiner Teil der Rente, der wesentliche Teil sollte die Pensionskasse und die 3. Säule ausmachen. Ansonsten ist sowieso etwas schon schief gelaufen.

AHV würde ich nur zahlen bei Minimalbetrag z.B. bei Auslandaufenthalt etc. um keine Beitragsjahre zu verlieren aber nicht freiwillig sonst noch Geld in diese Krake schütten.

Meine Priorität würde wie folgt aussehen bzw. Wichtigkeit der Rentensysteme:

Dritte Säule > Pensionskasse(1) > selber in ETF investieren > AHV(2)

(1) Im Moment noch - bin da auch eher skeptisch was zukünftige Regulierung anbelangt. Irgendwann wird vielelicht auch die PK verstaatlicht bzw. in die AHV integriert wenn man die AHV nicht mehr finanzieren kann, von daher Vorsicht mit der PK. Nur freiwillig Einzahlen wenn man relativ kurzfristig ins Ausland auswandern kann im Falle einer bevorstehenden Gesetzesänderung und dann alles auszahlen kann.
(2) Nur Minimalbeträge um fehlende Beitragsjahre zu verhindern.

Vielen Dank für die Antworten und Hinweise. In diesem Fall werde ich bei der AHV nicht versuchen die Lücken aufzufüllen (falls es denn überhaupt gehen würde), sondern 7k in meine 3. Säule geben und den Rest als eine Mischung aus Aktien und Obligationen in CHF relativ liquide halten.

Kurze Frage in die Runde bzgl. Zinsen in CHF. Falls der Bid/Ask Spread nicht zu gross ist wäre ggf. Eidgenossen mit Restlaufzeit 6M - 1Y mit relativ kleiner Stückelung interessant. Ich bin Kunde bei Interactive brokers, weiss jemand ob man dort Eidgenossen handeln kann? z.B. ISIN=CH0127181177 finde ich in der TWS Suche nicht.

Danke