Haus kaufen mit 30 als einziges Investment. Gute Idee oder lieber nicht?

Spannende Diskussion. Ich bin für dich froh, dass du eine Entscheidung treffen konntest und hoffe, dass es für dich die richtige war.

Bei mir ist die Sache mit dem Haus leider gehörig in die Hose!
Ich habe mich vor etwas mehr als einem Jahr auch entschieden, ein älteres Haus zu Kaufen (Baujahr Anfang 1950er Jahre) und bin momentan dabei die Sache rückgängig zu machen, derzeit noch mit ungewissem Ausgang (Verkauf, hoffentlich nicht zu einem für mich all zu unvorteilhaften Preis). Ich (Anfang 40) habe bis jetzt immer zur Miete gewohnt und hatte das Glück, über viele Jahre zu einem für die örtlichen Verhältnisse günstigen Mietzins wohnen zu können, was mir auch erlaubte, ein finanzielles Polster aufzubauen, welches mir bei der Finanzierung zu Gute gekommen ist, so konnte ich auf ein externes Darlehen gänzlich verzichten. Das Einzige was ich gemacht habe, ist eines meiner 3a rauszunehmen, auf diesen Vorbezug zur Wohneigentumsförderung dufte ich dann natürlich auch ordentlich Steuern abdrücken…

Leider war im Nachhinein gesehen, der Kauf dennoch ein grosser Fehler.
Das Problem ist, ich habe dem wohl wichtigsten Grundsatz, welchen es beim Kauf einer Immobile gibt, zu wenig Beachtung geschenkt: Lage, Lage, Lage und nochmals Lage! Und auch der Zustand muss man als Sanierungsbedürftig bezeichnen. Obschon ich im Vorfeld wie du, ebenfalls eine Fachperson beigezogen habe, hat sich dann doch mit der Zeit immer mehr offenbart, das diese Bude eigentlich einem „Fass ohne Boden“ ist. Das wohl grösste Manko ist aber die Lage und die lässt sich auch durch eine Renovation nicht ändern: Das Haus steht an einer stark befahrenen Strasse im 80er Bereich, ich schlafe deswegen schlecht, auch bei geschlossenen Fenstern und fühle mich oft erschöpft, unzufrieden und gereizt. Bei einer Mietwohnung würde mich dies sicher auch nerven, aber hier weiss ich, ich habe die Bude gekauft und einen grossen Teil meins Geldes da rein gesteckt. Eine besondere Herausforderung sind heisse Sommernächte, mit offenen Fenstern schlaffen geht nicht, da zu viel Lärm, mit geschlossenem Fenster ist die Luft heiss und stickig. An meinen früheren Wohnorten war es schön ruhig und ich habe in den wenigen heissen Sommernächten dann einfach jeweils mit offenem Fenster geschlafen und gut war.
Ich habe der ganzheitlichen Beurteilung, inkl. Miteinbezug der Umgebung leider einfach zu wenig Beachtung geschenkt und gedacht, passt dann schon. Ich fühle mich jetzt, nach über einem Jahr im eigenen Haus immer noch nicht angekommen und nicht daheim :worried:
Ich müsste auch einiges Sanieren, geplant war auch, wie bei dir, vieles in Eigenleistung zu machen. Aufgrund der Entwicklung, dass mich aber hier nicht zuhause fühle, hat es mir jegliche Energie genommen, tätig zu werden. Mit anderen Worten: Ich mag hier keinen Rappen mehr investieren.
Natürlich habe ich mich schon nach Alternativen umgesehen, ich muss aber leider feststellen, dass es eigentlich für mich nur eine richtige Alternative gibt: Zurück in ein Mietverhältnis, auch wenn mir das wirklich nicht leicht fällt und ich ein Verfechter von Mieten bin und eigentlich der Meinung bin, man sollte besser in Eigentum investieren, aber eben Eigentum wo man sich darin auch wohl fühlt.
Der Immobilienmarkt in der Schweiz ist, nicht nur aber auch aufgrund der ungebremsten Zuwanderung völlig überhitzt, das Angebot mag der Nachfrage in gewissen Regionen kaum gerecht zu werden, die Folgen sind überrissene Preise. Für mich bedeutet das, etwas zu finden , welches meinen Vorstellungen bezülich Lage und Zustand (am liebsten möchte ich einfach einziehen und wohnen können, ohne die Hütte zuerst umfassend sanieren zu müssen) ist mit meinen finanziellen Mitteln schlicht und einfach unmöglich. Eine Alternative, welche finanziell realistisch wäre und ich auch geprüft habe, ist der Kauf einer Eigentumswohnung (Stockwerkeigentum), doch davon sehe ich nach reiflicher Überlegung doch lieber ab, dort fühle ich mich zu abhängig, ich bin, ausser was die eigene Wohnung betrifft, überhaupt nicht frei aber wenn mir zu viele Parameter nicht passen, kann ich auch nicht einfach kündigen und gehen.
Daher ist für mich eigentlich die Sache klar: Entweder Eigentum in form einer freistehenden Liegenschaft oder zur Miete.

Ich werde nach dem Verkauf meiner Liegenschaft das Kapital zu 100% in ETF und ggf. noch anderen Anlagen investieren.
Ich möchte mich etwa 3-4 Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter frühzeitig in Rente gehen und die Schweiz verlassen. Ich schliesse nicht aus, dass ich in meinem Leben nochmals Wohneigentum besitze, aber sehr wahrscheinlich nicht mehr in der Schweiz. Es gibt noch Länder, wo man sich als normalsterblicher noch Eigentum leisten kann und als Rentner auch Steuertechnisch besser fährt als in der Schweiz.

Für mich hat sich das Thema Wohneigentum in der Schweiz darum vorerst erledigt.
Natürlich beobachte auch ich mit Sorge die stetig steigenden Mietkosten. Aber in meinem eigenen Haus, in welchem ich mich auch nach über einem Jahr immer noch nicht zuhause fühle steht es für mich ausser Frage, ob sich dies mit einer umfassenden Sanierung ändern würde. Zudem habe ich nicht das Gefühl, dass ich durch umfangreiche Investitionen den Wert derart erhöhen kann, um bei einem Verkauf entsprechend etwas rausholen zu können. Die schlechte Lage bleibt zudem liegt das Haus ausserhalb der Bauzone und dies dazu noch in einer Gemeinde mit einer der höchsten Steueranlagen in der Gegend. Also eigentlich alles in allem ein Griff in die Sch…

Wahrscheinlich ist für viele der Erwerb einer Immobile zum Selber bewohnen eher eine emotionale, als eine rationelle / wirtschaftliche Entscheidung.
Klar, wenn man in der komfortablen Lage ist, ein Objekt an einer begehrten Lage erwerben zu können, dann hat man wohl schon eine sichere Investition, aber wenn man eine Bruchbude an einer schlechten Lage und dazu noch in einer schlecht erschlossenen Steuerhölle kauft, dann muss man wohl froh sein, wenn man am Schluss noch mit einer Nullrunde aus der Sache rauskommt.

Ich möchte dich nicht entmutigen und hoffe, du hast deine Entscheidung wohl überlegt getroffen. und dir ein Objekt an einer guten Lage gekauft.
Ich für mich habe meine Lehren aus dem Schlamassel gezogen und hoffe, dass ich nicht ein zu hohes Lehrgeld dafür bezahlen muss und irgendwie wieder heil aus der Sache rauskomme. Ich freue mich, wenn ich dann endlich an einem Ort angekommen bin und wieder mal richtig ausschlafen kann. Daneben kann ich mein Kapital für mich arbeiten lassen.

Für alle anderen, welche hier mitlesen und vielleicht vor ähnlichen Entscheidungen stehen mein Rat: Immobilenkauf nur nach genügender Abwägung alles Vor- und Nachteile, unter Einbezug aller Parameter (Zustand, Lage, Umgebung) und dann nur, wenn genügend finanzielle Mittel für eine Immobile an einer guten Lage gegeben sind. Müssen zu viele Abstriche gemacht werden, wie dies bei mir der Fall war, lieber Finger davon lassen und das Kapital sinnvoll investieren. Auch wenn man halt Monat für Monat Miete zum Fenster raus schmeisst, aber bei einer Immobile bindet man das Kapital auch langfristig. Wer in Grenznähe arbeitet, kann allenfalls noch in Betracht ziehen, eine günstigere Immobile in einem Nachbarland zu kaufen, aber Achtung: In unmittelbarer Nähe zur Schweizer Grenze sind die Preise mittlerweile leider auch auf Schweizer- Niveau angelangt, dies zeigt die Problematik des Schweizer Immobilienmarkts (zu hohe Nachfrage, zu kleines Angebot).

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