Generali Angebot

Hallo Zusammen

vor rund 10 Jahren habe ich meiner Frau geraten, ihre Jugendsünde (Gebundene Vorsorge 3a) auf Eis zu legen, resp. Prämienfreistellung.

Letzte Woche meldete sich dann ein Generali Vorsorgeberater mit folgender Idee:

Anbei sende ich Ihnen die Infos zur neuen 3a Digital Möglichkeit. Sie haben bei uns aktuell zirka CHF 14’000 welche Sie nicht vor dem 31.03.2044 beziehen können. Somit ergibt sich die Chance dieses Geld in das neue 3a Digital zu transferieren.

Mit dem neuen 3a Digital Konto haben Sie zum einen Ihr Vorsorge Geld immer im Blick (via MyGenerali App auf dem Smartphone, Tablet oder PC) und haben die Möglichkeit beliebig Einzahlungen zu tätigen oder einfach das Geld für sich arbeiten zu lassen.

Mit folgendem Link, haben Sie Einblick in die vier verschiedenen Anlagefonds.

Bei einer Laufzeit von zirka 20 Jahren empfehle ich Ihnen den Index Serie 100 mit einer Netto-Durchschnittsrendite der letzten 10 Jahre von 6.19%. Den Anlageplan können Sie einmal jährlich gebührenfrei wechseln.

Grundsätzlich bin ich total skeptisch wenn solche Berater den Kontakt suchen.
Da meine Frau jedoch den Vanguard VT mit wesentlich höherem Betrag bespart, finde ich die beimischung Index Serie 100 nicht mal so schlecht und die TER 0.19% ist für Europäisches Niveau günstig.

Jetzt bin ich gespannt auf Eure Kommentare, habe ich da was übersehen oder kann das eine gute Lösung sein?

Die gebundene Vorsorgelösung der Generali von früher kenne ich leider nur zu gut. Auch ich bin damals auf einen Verkäufer reingefallen. Er meinte ich müsse doch unbedingt Vorsorgen, obwohl ich damals noch Student war. Heute weiss ich es doch deutlich besser.
Ich habe mich dann nach 3~4 Jahren entschlossen dies mit deutlichen Verlusten aufzulösen (ein Ende mit Schrecken statt ein Schrecken ohne Ende).

Ich denke die Hauptfrage die zuerst beantwortet werden muss: Braucht man das 3.Säule Geld eventuell für eine Selbstständigkeit oder einen Hauskauf? Die gebundene 3. Säule wird einen Rückkaufswert haben (bsp. 10’000 CHF) und somit kann man die Geschichte auflösen, auch wenn unter schmerzhaften Verlusten. Jedoch wenn man den Cash aktuell gut brauchen kann, why not. Auch einen Transfer auf eine andere 3a Lösung ist möglich (wie z.B. Viac, Frankly oder Selma)

Wenn die Frage mal beantwortet ist und man zum Schluss kommt, dass das Geld bei Generali bleiben soll (also die Verluste vs. Opportunitätskosten zu hoch wären), dann macht diese Lösung von Generali eindeutig mehr Sinn, als das Geld für die nächsten 20 Jahre liegen zu lassen. Die neue Lösung von Generali scheint mir schon mal deutlich besser, als der intransparente Fonds, den ich damals hatte.

Ich habe mir mal das Factsheet angeschaut und muss folgendes feststellen:

Vorteile:

  • Indexbasierte Anlagestratgie
  • Breit diversifiziert
  • Hoher Aktienanteil → Macht bei 20 Jahren Anlagehorizont auch Sinn, solange man sich wohl fühlt dabei und mit zwischenzeitlichen Verlusten gut schlafen kann.

Nachteile:

  • Der Fonds ist ein Dachfonds der andere Fonds aufkauft. Die könnte man eigentlich mit einem MSCI ACWI oder FTSI All World auch wesentlicher einfacher machen. Aber bei 3. Säule Lösungen ist man meistens leider nicht so frei. Aber hier scheint es mir besonders kompliziert gemacht worden zu sein.
  • Die TER bezieht die TER der einzelnen Fonds (meines wissens) nicht mit ein, sondern kommt oben noch dazu → Ist aber bei diesem kleinen Wert nicht tragisch, auch VIAC and Frankly verlangen zusätzliche Gebühren. Ist in der Schweiz leider so
  • Ich finde keinen Vergleich zu einer Benchmark. Ich befürchte fast, dass ein MSCI World die letzten 10 Jahre besser performed hat. Da es kein börsengehandelter Fonds ist, kann ich auf die schnelle keinen direkten Vergleich machen.
  • Es fehlt eine wichtige Information. Wie gross ist der Ausgabeaufschlag. Ich weiss von anderen Generali Produkten, dass ein Ausgabeaufschlag von 2% bis zu 5% üblich sind. Frage dies beim Berater mal nach. Damit werden dann 5% direkt an den Makler gehen und fehlen beim Investment. Ist etwas bitter.

Fazit:

  1. Überlege dir zuerst ob das Geld dort bleiben soll, oder du auch mit Verlusten lieber raus möchtest.
  2. Falls es da bleibt macht ein Investment auch trotz kleiner Nachteile sicher Sinn, anstatt das Geld liegen zu lassen. Der Ausgabeaufschlag wird dann in ein paar Jahren wieder kompensiert sein. Witchig der Anlagehorizont muss 10 Jahre + sein, damit sich dies definitiv lohnt.
  3. Ich würde aber kein weiteres Geld dort investieren, da gibt es deutlich bessere Lösungen auf dem Markt.

Liebe Grüsse
Leonardo

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